Woran erkennt man ADHS bei Erwachsenen?

  • Die häufigsten ADHS-Symptome: Probleme mit dem Arbeitsgedächtnis, Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, Probleme mit der Organisation und dem Zeitmanagement sowie emotionale Überempfindlichkeit und Impulsivität
  • Diese Symptome zehren dann an der Effizienz im Leben, und untergraben den Glauben an die eigene Fähigkeit, erfolgreich zu sein.
  • Oft erstellen viele Erwachsene Systeme, die die Schwächen von ADHS erfolgreich ausgleichen, die aber auch viel Energie kosten.
  • Aufgrund der Funktionsweise des ADHS-Gehirns fällt es schwer, die Aufmerksamkeit auf etwas zu richten, das nicht von Natur aus interessant oder emotional ansprechend ist. Funktionen, die als monoton oder banal empfunden werden, bereiten mehr Schwierigkeiten.
  • Die überwiegende Mehrheit ist nicht offensichtlich hyperaktiv, sondern innerlich hyperaktiv. Für viele fühlt sich ihre Hyperaktivität eher wie eine innere Unruhe oder Erregung an.
  • Vorteile von ADHS Brains sind die Fähigkeit zum Hyperfokus, sowie divergentes Denken, oder „Out of the Box“ Denken, das sie zu Trailblazern macht, die mehr innovative Ideen haben wie neurotypische Brains, und auch einen hohen Grad an Kreativität.
  • Dies führt dazu das ADHS Brains häufig als selbständige Entrepreneure sehr erfolgreich sind.

Der alte Stereotyp vom hyperaktiven Jungen ist längst überholt. ADHS betrifft genauso Mädchen, die nur seltener darauf diagnostiziert werden, eben wegen diesem Stereotyp. 

Inzwischen ist erwiesen, dass sich ADHS sowohl in Erwachsenen, als auch bei Mädchen & Frauen unterschiedlich ausdrückt und auch von hormonellen Umstellungen beeinflusst wird, wie z.B. bei Frauen die Pubertät und die Premenopause.

Ein kleines bisschen Geschichte

um die Antworten zu lesen 🙂

ADHS wurde erst in der zweiten Auflage des „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ (DSM) der American Psychiatric Association (APA) im Jahr 1968 aufgenommen. Damals jedoch wurde die Erkrankung als hyperkinetische Reaktion im Kindesalter bezeichnet.

In der dritten Auflage, die 1980 veröffentlicht wurde, benannte die APA den Zustand in Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) um und schuf zwei Varianten: ADS mit Hyperaktivität und ADS ohne Hyperaktivität.

Im Jahr 1987 änderte die APA den Namen in Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) und fasste Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität in einem einzigen Typus zusammen.

1937 stellte Charles Bradley, der medizinische Leiter des heutigen Bradley-Krankenhauses in Rhode Island, fest, dass ein Aufputschmittel namens Benzedrin bei einigen Kindern zu einem besseren Verhalten führte. Außerdem verbesserte es ihre schulischen Leistungen. Benzedrin war 1936 von der FDA zugelassen worden. Es dauerte jedoch noch viele Jahre, bis die Forscher Bradleys Ergebnisse zur Kenntnis nahmen.

1994 veröffentlichte die APA eine vierte Auflage des DSM. Darin werden drei ADHS-Typen aufgeführt:
– überwiegend unaufmerksam,
– überwiegend hyperaktiv und
-impulsiv sowie ein
– kombinierter Typ,
der alle drei Symptome umfasst. In dieser Ausgabe des DSM wurde auch anerkannt, dass die ADHS-Symptome nicht immer verschwinden, wenn Kinder erwachsen werden.

In der jüngsten Ausgabe, die 2013 veröffentlicht wurde, bezeichnete die APA die drei Typen als die drei „Präsentationen“ von ADHS. Das heißt, die Art und Weise, wie die Störung Menschen beeinträchtigen kann. Der APA zufolge kann sich dies im Laufe der Zeit ändern.

VAST steht für „Variable Attention Stimulus Trait“

Es ist ein neuer Begriff, der von Dr. Hallowell und Dr. Ratey in ihrem Buch „ADHS 2.0“ eingeführt wurde. (Erschienen „Ballantine Books“ Verlag am 12. Januar 2021 – bisher keine deutsche Übersetzung)

Er kann übersetzt werden mit:
„Variables Aufmerksamkeits-Reiz – Merkmal“ (könnte also mit VARM abgekürzt werden)

ADHS = AufmerksamkeitsDefizit-Hyperaktivitäts Syndrom
(engl. ADHD = Attention Deficit-Hyperactivity Disorder).

ADS = AufmerksamkeitsDefizitSyndrom (engl. ADD = Attention Deficit Disorder)

VAST = Variable Attention Stimulus Trait
ins deutsche übersetzt:
Variables AufmerksamkeitsReiz – Merkmal“ 

Die aktuelle Lage von ADHS und VAST heute

Zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels am 25.12.2021

Der Begriff „Variable Attention Stimulus Trait“ – VAST – beschreibt alle Menschen mit „ADHS“-Zügen, auch wenn sie die Kriterien für eine ADHS-Diagnose nicht vollständig erfüllen.

Bei VAST und ADHS geht es nicht um ein Aufmerksamkeitsdefizit, sondern um eine Variabilität der Aufmerksamkeit, die davon abhängt, wie stimuliert das Gehirn ist.

Viele Wissenschaftler und Psychologen, wie auch Dr. Hallowell, sind heute der Überzeugung, dass ADHS eine Neurodiversität ist, also lediglich eine Andersartigkeit. Diese kann nachteilige aber auch viele vorteilige Seiten annehmen, es ist jedoch kein Defizit, und erst recht keine „Störung“ wie es gerne ins Deutsche übersetzt wird (die korrekte Übersetzung lautet Syndrom).

Es bedeutet, dass das Gehirn eine besondere Funktionsweise aufweist. Diese kann u.a. zu Aufmerksamkeitsproblemen führen, aber unter den richtigen Bedingungen auch zu kreativem Denken, Abenteuerlust, Mut, Integrität, und innovativem Verhalten.

VAST und ADHS liegen auf einem Spektrum. 

Es gibt die drei Präsentationen von ADHS die durch eine psychiatrische Diagnose festgestellt werden:

ADHS wird jedoch nur als „Erkrankung“ diagnostiziert, wenn die auftretenden Symptome zu ernsthaften Störungen im Arbeitsbereich und im Sozialverhalten führen.

Hier kommt VAST ins Spiel. Vor allem im Erwachsenenalter gibt es sehr viele Fälle von ADHSlern die nicht wissen das Sie betroffen sind, weil sie ein halbes Leben damit verbracht haben mit ihren ADHS Symptomen erfolgreich zu leben und von ihnen zu profitieren, wie auch sie auszugleichen.

Ihr Gehirn ist genauso neurodivers (neuroatypisch) wie das eines ADHSlers mit Diagnose, oder das eines Legasthenikers oder Autisten, aber da sie das nicht erkennen, denken viele sie seien einfach nur ’seltsam‘, oder ‚anders’…

Daher ist es so wichtig auch offen über VAST zu sprechen, und die ganzen Vorteile die mit einem neurodiversen Gehirn einhergehen können.
Diese auszunutzen und sogar zu genießen, sollte durch den Mangel an Informationen nicht nur denen vorbehalten sein die eine „Krankheitsdiagnose“ erhalten.

Auf der Seite des „ADHS Deutschland Verband“ gibt es einen exzellenten und sehr ausführlichen Artikel über ADHS von Dr. Astrid Neuy-Bartmann: Willkommen in der Welt der ADHS“ den ich sehr empfehlen kann.